Die privaten Unternehmen in der Schweiz haben im Jahr 2008 nahezu 12 Milliarden Franken für Forschung und Entwicklung (F+E) im Inland aufgewendet. Dies bedeutet eine Zunahme von 2,3 Milliarden (+24,0%) gegenüber 2004, dem letzten Erhebungsjahr (9,6 Milliarden). Mit diesem Ergebnis behauptet die Schweiz ihren Platz im weltweiten Spitzenfeld. Ausserdem hat die schweizerische Privatwirtschaft die Internationalisierung ihres Forschungssystems weiter vorangetrieben. Dies sind die wichtigsten Resultate der Erhebung, die das Bundesamt für Statistik (BFS) zusammen mit economiesuisse durchgeführt hat.
Die Ausgaben für die betriebseigene F+E der Unternehmen (Intramuros-Aufwendungen) machten 12 Milliarden oder 2,2 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) der Schweiz zu laufenden Preisen für das Jahr 2008 aus. Dies entspricht einer leichten Zunahme des privatwirtschaftlichen Forschungsengagements gegenüber 2004 (2,1% des BIP), was bemerkenswert ist angesichts der hohen Dynamik des BIP in der Zeit zwischen diesen beiden Jahren. So verzeichnete die Schweizer Volkswirtschaft von 2004 bis 2008 als Resultat verschiedener Einflussfaktoren (Boom der Finanzmärkte, starke Nachfrage usw.) die höchsten Wachstumsraten seit Beginn der 90er-Jahre. Trotzdem übersteigt die Dynamik der F+E-Ausgaben jene des BIP, was der Schweiz eine gute internationale Positionierung eintrug. Die Schweiz belegt weltweit den 6. Rang. Der Durchschnittswert der europäischen Union (EU-27) liegt bei 1,1 Prozent des BIP.
F+E im Zeichen der Internationalisierung. Die Internationalisierung der F+E verstärkt sich deutlich. Die Ergebnisse für 2008 zeigen eine deutliche Zunahme der Ausgaben der Zweigniederlassungen schweizerischer Unternehmen für Forschungstätigkeiten im Ausland. Mit einem Wachstum von 64 Prozent innerhalb von vier Jahren erreichten die Intramuros-Aufwendungen dieser Einheiten den Rekordwert von 15,8 Milliarden Franken. Damit liegen sie deutlich über den Aufwendungen für die Intramuros-F+E in der Schweiz (2008: 12,0 Milliarden).
Uneinheitliche Dynamik auf Branchenebene im Inland. Die Intramuros-F+E-Ausgaben im Inland konzentrieren sich auf relativ wenige Wirtschaftszweige. Die Pharmabranche allein tätigt mit Aufwendungen in der Höhe von 4,6 Milliarden über ein Drittel der gesamten Intramuros-F+E-Ausgaben. Seit Jahren ein Hauptakteur im F+E-Bereich, zeichnete sie sich durch eine überdurchschnittliche Steigerung ihrer Investitionen im Zeitraum 2004 bis 2008 aus (Pharmabranche: 30%, gegenüber 24% im Gesamtbranchenmittel). Die Pharmaindustrie ist damit weiterhin ein sehr dynamischer Wirtschaftszweig in der schweizerischen F+E-Landschaft.
Mit Aufwendungen in der Höhe von 1,4 Milliarden ist die Maschinenbranche der zweitwichtigste Akteur. Allerdings läuft ihre Entwicklung dem allgemeinen Trend entgegen, denn die Branche hat ihre Intramuros-Aufwendungen gegenüber 2004 um 12,5 Prozent verringert. Dieser Rückgang ist seit dem Jahr 2000 zu beobachten und hängt mit dem langen Restrukturierungs- und Redimensionierungs-prozess zusammen, der Anfang der 2000er-Jahre insbesondere die Beschäftigung und die Produktivität der Branche tangierte.
Demgegenüber wenden die technologieintensiven Wirtschaftszweige (namentlich die Branchen des Informations- und Kommunikationstechnologiesektors [IKT] und die Hochtechnologieinstrumente) immer mehr Mittel für F+E auf. Mit einer Steigerung von 29 Prozent innerhalb von vier Jahren belief sich das Total ihrer Intramuros-F+E-Ausgaben für 2008 auf 2,3 Milliarden Franken.
Veränderungen in der Zusammensetzung der F+E-Ausgaben. Die Zahlen für 2008 zeigen erhebliche Verlagerungen bei den F+E-Aufwendungen der Privatwirtschaft in der Schweiz gegenüber 2004. Die Unternehmen konzentrieren ihre Investitionen zunehmend auf die betriebseigene Forschung und kaufen weniger externes Wissen ein. So sind die Extramuros-F+E-Ausgaben (d.h. die Aufwendungen für F+E-Arbeiten, die ausserhalb der Mauern des Unternehmens hauptsächlich auf Auftragsbasis durchgeführt werden) zwischen den beiden Erhebungen um 21 Prozent gesunken und beliefen sich im Jahr 2008 noch auf 3,2 Milliarden Franken. Dieses Ergebnis wird stark beeinflusst durch die Entwicklung in der Pharmabranche, die ihre F+E-Aufträge und -Beiträge an Dritte im Vergleich zu 2004 deutlich verringert hat.
Strukturwandel. Die Struktur der F+E-Ausgaben in der Schweiz hat sich von 2004 bis 2008 ebenfalls stark verändert. Während der Aufwand für die Grundlagenforschung auf dem Niveau von 2004 verharrte (1 Milliarde Franken), entwickelten sich die angewandte Forschung und die experimentelle Entwicklung äusserst dynamisch. Mit Ausgaben in der Höhe von 4,4 Milliarden bzw. 6,5 Milliarden erreichten sie im Jahr 2008 einen Rekordwert und setzen damit den im Jahr 2000 eingeleiteten bedeutenden Aufwärtstrend fort.
Auswirkungen auf die Beschäftigung. Die Ausweitung der F+E-Tätigkeiten liess die Beschäftigung gegenüber 2004 um 20 Prozent ansteigen. Der Gesamtbestand von 39’832 Stellen für das Jahr 2008 stellt einen neuen Rekord dar. Die neuen Ergebnisse signalisieren einen veränderten Personalbedarf der Unternehmen. Diese benötigen immer weniger Forschende, dafür aber mehr technisches Personal, das im Rahmen der F+E wissenschaftliche und technische Aufgaben wahrnimmt, sowie Hilfspersonal. Diese Veränderungen in der Personalstruktur hängen mit dem Aufschwung der Aktivitäten in der angewandten Forschung und der experimentellen Entwicklung zusammen, die viel zur Dynamik der F+E in der Schweiz beitragen.

