Die Wirtschaftsstruktur der Schweiz von 2005 bis 2008

Mehr Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialbereich

Patrick Müller am 29.09.2009

Gemäss Betriebszählung 2008 des Bundesamtes für Statistik (BFS) verzeichnete die Schweiz Ende September 2008 knapp 4,2 Millionen Beschäftigte und 450000 Arbeitsstätten. Damit hat die Zahl der Beschäftigten gegenüber 2005 um 7,4 Prozent zugenommen (+289200). Während im industriell-gewerblichen Bereich und bei den Dienstleistungen die Zahl der Beschäftigten angestiegen ist, weist der erste Sektor 2008 im Vergleich zu 2005 einen Beschäftigungsrückgang auf. Insgesamt betrachtet verzeichneten alle Grossregionen der Schweiz Beschäftigungsanstiege zwischen 5,3 Prozent und 9,2 Prozent.

Die Folgen der Finanzkrise in der Realwirtschaft waren bis zum September 2008 noch nicht spürbar. Die Jahre seit der letzten Betriebszählung (2005-2007) waren durch ein markantes Wirtschafts-wachstum geprägt, das sich – wenn auch etwas abgeschwächt – im Jahr 2008 fortsetzte. Die Gründe für diese Entwicklung lagen insbesondere in der starken Zunahme der Wertschöpfung finanzieller Kapitalgesellschaften, in der guten Verfassung der Schweizer Industriebetriebe und der Exportwirtschaft sowie einer konstant hohen Inlandnachfrage.

 

Seit 2005 wurden 289200 Arbeitsstellen geschaffen. Ende September 2008 belief sich die Zahl der Beschäftigten aller drei Sektoren auf insgesamt 4193000 (+289200 seit September 2005). Davon entfielen 2955800 (71%) auf den Dienstleistungsbereich, ein Viertel (1061300, 25%) auf den industriell-gewerblichen Bereich und 4,2 Prozent (175900) auf den Primärsektor (Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei).

Während die Beschäftigtenzahl des zweiten (Industrie) und dritten (Dienstleistungen) Sektors zwischen 2005 und 2008 deutlich angestiegen ist (um +7,9% beziehungsweise +8,2%), verzeichnete der Primärsektor im gleichen Zeitraum einen Rückgang um -6,8 Prozent. Eine ähnliche Entwicklung zeigte sich auch bei den Arbeitsstätten. Im zweiten Sektor stieg die Zahl der Betriebe um 2,6 Prozent auf insgesamt 77700, der Dienstleistungsbereich wuchs um 4 Prozent auf 311500 Betriebe. Im Primärsektor dagegen sank die Anzahl der Arbeitsstätten um 4,4 Prozent auf 62500.

Die Anteile der drei Sektoren an der Gesamtbeschäftigung sind im Betrachtungszeitraum weitgehend stabil geblieben, der langfristige Trend der Beschäftigungsverlagerung in den Dienstleistungssektor hat sich zwischen 2005 und 2008 deutlich verlangsamt.

 

Mehr als 99 Prozent der Unternehmen sind KMU. Die überwiegende Mehrheit der Unternehmen blieb auch 2008 kleinbetrieblich strukturiert. Von insgesamt 321700 Unternehmen des zweiten und dritten Sektors gehörten 99,6 Prozent zu den KMU (kleine und mittlere Unternehmen mit weniger als 250 Vollzeitäquivalenten). 87 Prozent unter den KMU waren Mikrounternehmen mit weniger als 10 Vollzeitäquivalenten. Knapp zwei Drittel (63%) der Beschäftigten arbeiteten 2008 in einem KMU.

 

Beschäftigung im Gesundheits- und Sozialbereich steigt um 10 Prozent. Wie schon 2005, weist das Gesundheits- und Sozialwesen auch 2008 die höchste Zahl an Arbeitsplätzen auf. Ende September 2008 arbeiteten in diesem Bereich 483300 Beschäftigte (12% des Totals aller drei Sektoren). Mit +10 Prozent lag die Beschäftigungszunahme hier zudem über dem gesamtwirtschaftlichen Mittel von 7,4 Prozent. Gemessen an der Beschäftigtenzahl im September 2008, folgen als zweit- und drittgrösste Branchen der Detailhandel mit 332500 Beschäftigten (7,9% aller drei Sektoren) und das Baugewerbe mit 315200 Beschäftigten (7,5% aller drei Sektoren). Der Detailhandel verzeichnete im Betrachtungszeitraum zwischen 2005 und 2008 einen Beschäftigungsanstieg von 4,4 Prozent, das Baugewerbe einen solchen von 5,7 Prozent. Damit erreichte das Baugewerbe 2008 einen Beschäftigtenanteil von knapp 30 Prozent am gesamten Industriesektor.

Ein deutlich überdurchschnittlicher Beschäftigungsanstieg ist mit 14 Prozent auch im Bereich „Freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen“ (294400 Beschäftigte im Jahr 2008) festzustellen. Ebenfalls eine Zunahme im zweistelligen Bereich, weisen mit 11 Prozent die Finanz- und Versicherungsdienstleistungen auf. 2008 entfielen auf diesen Tätigkeitsbereich 229000 Beschäftigte. Die weitaus höchste Zuwachsrate konnte mit 32 Prozent das Immobilienwesen verbuchen, 2008 waren hier insgesamt 29000 Beschäftigte tätig.

Während die Gesamtwirtschaft sowie die überwiegende Mehrheit der Branchen des zweiten und dritten Sektors steigende Beschäftigtenzahlen aufwiesen, verzeichnete der Primärsektor (Land- und Forstwirtschaft, Fischerei) zwischen 2005 und 2008 eine bedeutende Einbusse. Der Rückgang belief sich in diesem Bereich, der insgesamt 175900 Personen beschäftigt, auf -6,8 Prozent. Die Gründe für diese Entwicklung liegen vor allem in der Fortsetzung des Strukturwandels in der Landwirtschaft und der Tendenz zu grösseren Betrieben. Beschäftigungsverluste hatten nebst der Landwirtschaft auch die Papier- und Druckindustrie (-5,2%) sowie der Bereich „Verlagswesen, Kommunikation und Telekommunikation“ (-1,9%) zu verzeichnen.

 

Mehr als die Hälfte der Frauen arbeitet Teilzeit. Zwischen 2005 und 2008 wuchs die Zahl der Vollzeitbeschäftigten im 2. und 3. Sektor um insgesamt 183200. Gleichzeitig stieg auch jene der Teilzeitbeschäftigten um 118700 an. Wie 2005, arbeitete auch 2008 fast ein Drittel (1235400) der insgesamt 4 Millionen Beschäftigten Teilzeit. Bei den Frauen waren es 53 Prozent, bei den Männern 14 Prozent. Überwiegend Teilzeit gearbeitet wird in den Bereichen Erziehung und Unterricht (61%) sowie im Gesundheits- und Sozialwesen (56%) - zwei Branchen, die einen sehr hohen Frauenanteil (59% bzw. 76%) aufweisen.

Genferseeregion und Zentralschweiz mit den höchsten Wachstumsraten der Beschäftigten. In allen Grossregionen der Schweiz ist die Zahl der Beschäftigten (Gesamtzahl aller drei Sektoren) zwischen 2005 und 2008 angestiegen. Wie schon in den vier Jahren zuvor, verzeichnete die Genferseeregion auch von 2005 bis 2008 den stärksten Beschäftigungszuwachs (+9,2%), gefolgt von der Grossregion Zentralschweiz (+8,6%). Auf Kantonsebene weisen drei Kantone einen Anstieg der Beschäftigtenzahl von über 10 Prozent auf: Zug (+16%), Obwalden (+15%) und Genf (+12%). Im Kanton Zürich, in dem sich jeder fünfte Arbeitsplatz des sekundären und tertiären Sektors befindet, belief sich der Anstieg auf 8,4 Prozent.

 

www.bfs.admin.ch

Kommentare

juergen meyer Mittwoch, 30.09.2009

In der Schweiz war immer die wirtschaftliche Lage stabil. Die Schweizer kommen auch sehr gut mit der Finanzkrise zurecht, viele Länder müssen sie sich zum Vorbild nehmen.

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