
Marcus Hapig, Messeleiter Go und Ineltec

Dominique Farner, Kommunikationsleiterin Go und Ineltec

«Für die Zukunf wird man sicherlich konzeptionell und strategisch über die Bücher gehen müssen – für beide Messen.»

«Darwin21 ist für die Go ein sehr wichtiges Highlight.»
Interview mit Marcus Hapig, Messeleiter, und Dominique Farner, Kommunikationsleiterin Go/Ineltec
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Herr Hapig, für viele Besucher von Go und Ineltec sind Sie als Messeleiter noch unbekannt. Können Sie zuerst etwas über sich selbst erzählen?
Marcus Hapig: Ja gerne. Ich bin Deutscher und lebe auch in Deutschland, arbeite aber seit 15 Jahren als Grenzgänger in der Schweiz – ich war bei ABB, Alstom und SIG. Ich bin Diplombetriebswirt mit Schwerpunkt Marketing. Ich habe mir durch meine Tätigkeiten, von kaufmännischer Projektleitung von Grossprojekten über interne Revision und Marketing/Kommunikation bis zu Controlling eigentlich einen ziemlich breiten Rucksack geschnürt. Seit 1. Februar 2008 arbeite ich nun als Messetleiter bei der Messe Schweiz.
Welche Ziele haben Sie bezüglich Go und Ineltec 2009?
Marcus Hapig: Nun, wir wissen ja alle, dass wir uns momentan in relativ schwierigem Fahrwasser bewegen. Finanz- und Wirtschaftskrise gehen nicht spurlos an uns vorbei. Wir spüren das besonders bei der Go. Wir haben da Aussteller, die mit Bestellungsrückgängen von 30–50% kämpfen. Das schlägt bei uns durch: Marketingbudgets werden gekürzt, also wird es mit Sicherheit eine Verkleinerung des Angebots bei der Go geben. Aussteller- und Besucherzahlen sind aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation sehr schwer abzuschätzen. Ich denke, das hängt stark davon ab, wie der Markt in den nächsten Monaten reagieren wird. Wenn er wieder anzieht, werden wir insbesondere auf Besucherseite eine erfolgreiche Messe haben, auch wenn wir auf Ausstellerseiten gewisse Rückgänge zu verzeichnen haben. Aber auf konkrete Zahlen kann ich mich jetzt im Moment nicht festlegen.
Heisst das, dass Sie auch Stornierungen aufgrund der wirtschaftlichen Lage haben?
Marcus Hapig: Ja, die gibt es. Es gibt auch eine ganze Reihe von Unternehmen, die sich wider Erwarten gar nicht erst anmelden. Firmen also, welche eigentlich eine der Messen im Portfolio und damit auch im Budget gehabt haben, denen die Wirtschaftskrise jetzt einfach einen Strich durch die Rechnung gemacht hat und die jetzt sagen: No way, dieses Jahr gehts nicht, wir können nicht. Ganz besonders spürt man dies auch bei Gesellschaften, die in einem Konzernverbund sind und bei denen die Holding eher nicht in der Schweiz sitzt. Da wird relativ schnell der Rotstift angesetzt, wenn es um Schweizer Messen geht, weil das Marktpotenzial in der Schweiz halt nicht so enorm ist. Dem müssen wir uns momentan stellen.ion]
Dominique Farner: Diese Aussagen beziehen sich vor allem auf die Go. Bei der Ineltec läuft es bis jetzt besser. Da sieht es im Moment sogar so aus, dass wir auf Angebotsseite, die Vorgaben von 2007 erreichen können. Es gibt jedoch auch Aussteller, die sich an den Messen 2007 mit zwei Auftritten beteiligten und sich nun für die Ausgabe 2009 auf einen Auftritt konzentrieren. Bei der Ineltec haben wir zudem nicht so viele Standverkleinerungen erhalten wie bei der Go. Wir hoffen nun, dass wir mit der Ineltec zeitlich richtig liegen und eine gute Messe durchführen können.
Die Go kämpft ja schon länger mit sinkenden Besucher- und Ausstellerzahlen. Darum haben Sie ja auch das Konzept etwas angepasst. Nun scheint es dieses Jahr erneut harzig zu werden, wie reagieren Sie darauf?
Marcus Hapig: In diesem Jahr müssen wir die betriebswirtschaftliche Seite im Auge behalten, das heisst, wir müssen ganz konkret Kosten senken, wo das möglich ist. Natürlich nie zulasten der Qualität der Messe und auch nicht zulasten der Besucher, das ist ein wichtiger Punkt.
Und wir kommunizieren auch sehr offen mit unseren Ausstellern und unseren beratenden Gremien, wobei man sagen muss, dass wir bezüglich Konzept für 2009 kaum noch an der Schraube drehen können. Die Konzepte sind gemacht, die Unterlagen sind raus und der Anmeldeprozess läuft. Neben der Kostenseite versuchen wir auch durch zusätzliche Ertragssteigerungs- respektive Verkaufsprogramme das Ganze etwas zu heben und aufzuwerten. Für die Zukunf wird man sicherlich konzeptionell und strategisch über die Bücher gehen müssen – für beide Messen.
Mit der Ineltec sprechen Sie vor allem das Baunebengewerbe an, mit der Go eher die MEM-Industrie. Wo liegen Ihrer Meinung nach die Synergien der beiden Messen?
Marcus Hapig: Die Synergien liegen hauptsächlich auf Seiten der Aussteller, die das gesamte Produktportfolio abbilden und anbieten. Insbesondere für die meist grösseren Aussteller, die sowohl im Bereich der Industrie- wie der Gebäudeautomatisierung tätig sind, bedeutet es einen Synergieeffekt, dass sie alle zwei Jahre eine Messeplattform erhalten, an der sie das gesamte Produktportfolio zeigen können. Wir gelangen allerdings immer mehr zu der Überzeugung, dass man sicherlich nicht nur die eine Kundengruppe der Aussteller im Blick haben sollte, sondern ebenso die Besucher. Hier zeigt sich mehr und mehr, dass die Besucherzielgruppen zwischen den beiden Messen unterschiedlich sind. Aus dieser Sicht muss der erwähnte Synergieeffekt hinterfragt werden.
Was heisst das konkret? Könnte man zum Beispiel die Go bei den Industriemessen Swisstech/Prodex angliedern?
Dominique Farner: Das ist momentan schwierig zu sagen. Im Raum stehen die Überschneidungen der Ineltec mit anderen Baumessen, die wir bei der Messe Schweiz auch im Portfolio haben. Das muss überdacht werden. Es wird jedoch nicht in die Richtung gehen, dass die Ineltec parallel zur Hilsa oder zur Swissbau stattfinden wird. Aber man wird das Portfolio auf den Tisch legen und neu sortieren müssen.ion]
Marcus Hapig: Es gibt Aussteller, die sehen durchaus gewisse Synergieeffekte zwischen Go und anderen Industriemessen. Mit einer Annäherung der Automatisierungsmesse an die genannten Ausstellungen der Maschinenindustrie (zum Beispiel Swisstech/Prodex) könnte man die ganze Produktionskette abbilden. Auch für die Pack & Move wäre in einzelnen Bereichen eine Verknüpfung mit einer Automatisierungsmesse interessant. Das sind alles Fragen, die wir diskutieren werden, wenn wir die Messe 2009 hinter uns haben. Dabei ist natürlich die Meinung unserer Partnerverbände sehr wichtig. Und zum Zweiten werden wir natürlich auch die Besucherverbände stärker einbinden, um deren Sichtweise berücksichtigen zu können.
Zum Thema Besucher: Sie schreiben in einer Medienmitteilung: «Wir führen die zielgruppenorientierte Differenzierung weiter.» Das heisst eine grosse Vielfalt. Und trotzdem sagen Sie, die Messen seien ein Ganzes. Wie lösen Sie diese Quadratur des Kreises?
Dominique Farner: Der Begriff Zielgruppendifferenzierung bezieht sich auf die Parallelität der Ineltec und Go. Die Thematik ist nicht neu und wir werden auch in der momentanen Situation immer wieder gefragt, wieso wir die beiden Messen nicht wieder unter einem Dach durchführen. Wir sind der Meinung, dass diese Messen nicht unbedingt unter ein Dach gehören, weil ein grosser Teil der Besucher aus zwei unterschiedlichen Bereichen kommt. Und für die Besucher veranstalten wir die Messen ja auch. Gegen eine Zusammenführung spricht auch die Anzahl Übertritte, die wir 2007 zwischen beiden Messen aufgezeichnet haben. Dort haben wir gesehen, dass diese Übertrittsquote mit mehr als 1/3 wohl recht gross ist, jedoch zum grössten Teil ein sekundäres Interesse den Besucher an die Parallelmesse gezogen hat. Hinzu kommt, dass die beiden Besucherzielgruppen auch anders funktionieren. An der Go geht der Messetag gegen 16.00 Uhr zu Ende, denn es ist deutlich ruhiger in der Go-Halle, als an der Ineltec. Bei der Ineltec trifft man sich gerne nach dem offiziellen Messerundgang bei einem Aussteller auf ein Feierabendbierchen und stosst gemeinsam auf den erfolgreichen Tag an. Deshalb können wir es uns auch nicht erlauben bei beiden Messen bereits um 17.00 Uhr zu schliessen. Die Ineltec hat bis 18.00 Uhr geöffnet.
Eine Frage, die Sie sicher schon oft gehört haben: Die Hallensituation; wann kommt die neue Halle?
Marcus Hapig: An der Hallensituation können wir nichts ändern. Die ist, wie sie ist. Zur Unzufriedenheit so manches Ausstellers in der Halle 2, also bei der Go. Wenn der Neubau wie geplant kommt, könnten unsere Technologiemessen ab 2013 im neuen Messebau durchgeführt werden.
Wie stark liegt die Problematik der Go beim Schweizer Markt und wie stark liegt sie an der starken süddeutschen Konkurrenz?ion]
Dominique Farner: Die Konkurrenz ist bei der Go enorm im Vergleich zur Ineltec. Wir haben im Umfeld der Go fünf grosse Konkurrenzmessen. Das sind mehr oder weniger alles Leitmessen, die sich zwar zum grössten Teil spezialisiert haben. Wir beobachten das, können aber nicht viel dagegen unternehmen. Wir sagen ganz klar, die Go ist eine Messe, die schwerpunktmässig auf den Schweizer Markt ausgerichtet ist. Für ausländische Firmen ist sie interessant, wenn diese in der Schweiz ein Geschäft machen wollen, also hier schon ein Geschäftsfeld haben. Wir sind auch bestrebt, dass wir längerfristig die Go auch ein wenig internationaler ausrichten können. Aber die Konkurrenzsituation mit dem süddeutschen Raum werden wir so nicht beheben können. Ich denke aber, das müssen wir auch nicht. Die Go präsentiert sich zwar kleiner, dafür aber umfassender in den Themen, die sie anbietet. Sie ist nicht ganz so spezialisiert wie die Messen im süddeutschen Raum.
Marcus Hapig: Es ist tatsächlich so, wie Frau Farner sagt: Die Go ist im positiven Sinne ein Gemischtwarenladen in der Automatisierungsbranche. Das hängt natürlich auch mit dem Marktpotenzial in der Schweiz zusammen. Wir können vom Grössenvolumen her in der Schweiz gar keine zu spezialisierten Messen machen, so wie es in Deutschland möglich ist. Die genannten fünf Konkurrenzmessen sind alles spezialisierte Messen. Und dann schafft natürlich der EU-Raum gewisse Synergien. Eine kleine, spezialisierte Messe wäre zum Beispiel kaum attraktiv genug, um genügende grosse Besucherzahlen nach Zürich oder nach Basel zu locken. Und deswegen ist der Weg, glaube ich, schon richtig, dass man versucht, den Regenschirm möglichst weit aufzuspannen.
Wenn wir schon von Konkurrenz reden: Nächstes Jahr gibt es eine neue Automationsmesse in der Schweiz, die Easyfairs Automation. Wie ist Ihre Reaktion darauf?
Marcus Hapig: Ich würde lügen, wenn ich jetzt sagen würde, dass ich gerne sehe, dass die Easyfairs versucht, im Zwischenjahr eine Automatisierungsmesse auf die Beine zu stellen. Zumal wir ja alle wissen, dass der «Macher» lange Jahre Erfahrungen bei der Messe Schweiz gesammelt hat und von daher den Markt und die Kunden in dem Bereich auch gut kennt. Auf der anderen Seite ist zu berücksichtigen, dass das Konzept der Easyfairs ein ganz anderes ist als dasjenige der Messe Schweiz. Wir werden das seriös beobachten und sehen, wie das tatsächlich umgesetzt wird und welche Zugkraft es im Markt hat. Es handelt sich ja um komplett standardisierte Produkte mit zwei Tagen Messedauer. Ich denke, das ist mit einer Hauptmesse wie einer Go oder einer Ineltec nicht vergleichbar und deshalb im Zwischenjahr keine unmittelbare Konkurrenz. Aber gerne sehen wir es natürlich nicht, ganz klar.
Welche Bedeutung hat Darwin21 für Sie als Besuchermagnet, als Profilierungsinstrument für die Messe?
Dominique Farner: In erster Linie ist das Engagement bei Darwin21 eine Profilierungs- und Image-Angelegenheit und setzt ein klares Zeichen, dass sich die Messe Schweiz für den Nachwuchs einsetzt. Die Problematik – in der Industrie langfristig gesehen zu wenig qualifizierte Fachpersonen zur Verfügung zu haben – ist bekannt. Mit der Sonderschau Darwin21 wird auf spielerische Art und Weise die Vielfalt der technischen Berufe in der Industrie-Automation aufgezeigt. Nach der Preisverleihung im Rahmen der Go, werden die Projekte ja in Form von Roadshows an Publikums- und Bildungsmessen den Jugendlichen vorgestellt. Nicht zu vergessen ist, dass es sich hierbei um einen Teamwettbewerb handelt, der die Teilnehmer und die ganze Branche enger zusammenführt. Darwin21 ist für die Go auch deshalb ein sehr wichtiges Highlight.
Interview
Patrick Müller (Megalink)
Martin Gysi (Technica)
Franz Lenz (HK-Gebäudetechnik und Elektrotechnik)
Infos
MCH Messe Schweiz (Basel) AG
4005 Basel
Tel. 058 206 20 20
info@go-automation.ch
www.go-automation.ch

