Geringes Wachstum – Risiken bleiben

Thomas Meier am 24.11.2009

minsch

Economie­suisse-Chefökonom Rudolf Minsch.

  economie­suisse rech­net für 2010 mit ei­nem gerin­gen Wirt­schaftswachs­tum von 0,7 Pro­zent. Nach teilweise dra­mati­schen Um­satz­einbus­sen 2009 wird für die Export­wirt­schaft im nächs­ten Jahr ein modera­tes Wachs­tum von 3,8 Pro­zent erwartet. Demgegenüber dürf­ten die Wachstumszah­len für die Binnen­wirt­schaft und den priva­ten Kon­sum negativ aus­fal­len. Der Wirt­schaftsdachver­band rech­net für 2010 mit ei­ner Arbeits­losenquote von durch­schnittlich 4,9 Pro­zent. Wirt­schafts­politisch fordert economie­suisse ei­ne kon­sequente Wachstumspolitik statt Konjunkturaktivismus. Präsident Ge­rold Büh­rer: „Wir müs­sen uns auf die lang­fristig wirken­den Wachstums­treiber auf markt­wirt­schaft­li­cher Basis kon­zen­trie­ren.“

 

„Das Jahr 2009 war für die Schwei­zer Export­wirt­schaft ein ei­gentli­ches Annus Horribilis“, sagt economie­suisse-Chefökonom Rudolf Minsch. Besonders betroffen wa­ren die Ma­schi­nen-, Textil-, Me­tall- und Kunst­stoff­indus­trie. We­ni­ger von der Wirt­schafts­krise gezeichnet wa­ren die Nahrungs­mittel­indus­trie, die Phar­ma­indus­trie und Un­ternehmen der Medi­zinal­tech­nik. Die Binnen­wirt­schaft und der private Kon­sum zeig­ten sich gegenüber den Ent­wicklun­gen in der Export- und Fi­nanz­indus­trie re­lativ resistent. Insge­s­amt steht die Schwei­zer Wirt­schaft mit ei­nem BIP-Rückgang von „nur“ rund zwei Pro­zent bes­ser da als viele an­de­re indus­trialisier­te Län­der.

 

2010: modera­tes Wirt­schaftswachs­tum bei stei­gen­der Arbeits­losigkeit

Die Schwei­zer Export­wirt­schaft muss sich auf ein anhal­tend schwieriges welt­wirt­schaftli­ches Umfeld ein­stel­len. Insge­s­amt dürf­ten sich die Expor­te um gegen vier Pro­zent erhöhen. „Dieses Wachs­tum auf tie­fem Niveau wird aber die teilweise dra­mati­schen Einbrüc­he wäh­rend des Jah­res 2009 bei wei­tem nicht kom­pensieren“, sagt Minsch. Mit Wert­schöpfungs­einbus­sen muss im nächs­ten Jahr die Binnenwirt­schaft rech­nen. Dies gilt insbesonde­re für die Bau­wirt­schaft. Auch der private Kon­sum wird 2010 kei­ne Konjunktur­stüt­ze mehr sein, sondern leicht abnehmen. Ein Grund dafür sind unter anderem die stei­gen­de Zahl der Arbeits­losen und die anhal­ten­de Arbeits­platz­unsi­cherheit. Insge­s­amt erwartet economie­suisse für 2010 ein reales BIP-Wachs­tum von 0,7 Pro­zent.

 

Die Arbeits­losenquote wird auf durch­schnittlich 4,9 Pro­zent ge­schätzt. Insbesonde­re auf­grund des im Ver­gleich zu 2009 höhe­ren Erdöl­prei­ses wird die Inflati­ons­ra­te mit 0,7 Pro­zent im nächs­ten Jahr wieder positiv aus­fal­len. Zu beach­ten ist aber, dass die Ent­wicklung der Schwei­zer Wirt­schaft stark mit drei Risiken ver­bun­den bleibt. Ers­tens das Wech­selkurs­risiko: Ei­ne deutli­che Auf­wer­tung des Schwei­zer Frankens würde die Export­indus­trie empfindlich treffen. Zweitens kann die welt­weite Über­schussliquidität zu neuen Bla­sen füh­ren. Drittens ist die Stabilität des in­ternatio­na­len Fi­nanzsystems noch nicht gewährleistet.

 

Wachstumspolitik als zwin­gen­der Kompass

economie­suisse-Präsident Ge­rold Büh­rer mahnt, dass die Schweiz auf ei­ne kon­sequente Wachstumspolitik set­zen muss: „Wir müs­sen uns auf die lang­fristig wirken­den Wachstums­treiber auf markt­wirtschaft­li­cher Basis kon­zen­trie­ren.“ Dabei gilt es Inves­titi­ons­hemmnis­se abzubauen, Marktöffnun­gen vor­anzu­trei­ben und die fi­nanzpoliti­sche So­lidität auch in Zukunft zu gewährleis­ten. Für Letzte­res rei­chen die bisherigen Vorschläge des Bundesra­ts nicht. Es braucht ein griffiges aus­gaben­seitiges Kon­so­lidierungs­programm und ei­ne Schuldenbrem­se bei den Sozial­werken. Steuerpolitisch stehen ei­ne zukunftsgerich­te­te Un­ternehmens­steu­er­re­form III und die Ab­leh­nung der wettbewerbsfeindli­chen Steuerharmonisierungs-In­itiative der SP im Vor­dergrund.

 

Im Aus­sen­wirt­schaftsbereich ist der bewähr­te bilate­rale Weg mit der EU zu festigen. Ho­he Priorität muss auch den Verhandlun­gen über ein Freihandelsabkommen mit Indi­en, China, Russ­land und an­de­ren dynami­schen Volks­wirt­schaf­ten zukommen. Die Si­cherung ei­ner konkurrenzfähigen umwelt­schonen­den Stromversorgung gehört ebenso auf die Traktan­den­liste wie ei­ne in­ternatio­nal koordi­nier­te, wirt­schaftsver­trägli­che Kli­mapolitik. Die gegenwärtige Ak­ti­en­rechtsrevisi­on muss als Gegenvorschlag zur den Wirt­schafts­stand­ort Schweiz schädigen­den In­itiative „gegen die Abzockerei“ die Aktionärs­rech­te stärken. Gleichzeitig muss aber die wichtige Flexibilität der kotier­ten Un­ternehmen wie auch der Klein- und Mit­telbetriebe gewahrt blei­ben.

 

Hart ins Gericht geht economie­suisse-Direk­tor Pascal Genti­netta mit dem geplan­ten Hoch­schulförderungs­gesetz (HFKG). Zwar stehe economie­suisse hin­ter de­s­sen Zie­len, doch die Umsetzung sei stark korrektur­bedürftig. Er rügt die Übervertre­tung der Kantone in den Gremi­en und kri­tisiert die Nichtberücksichtigung der Wirt­schaft als Abneh­me­rin der Ab­solven­ten. Zudem spieg­le der Ent­wurf des HFKG plan­wirt­schaftli­ches und nicht markt­wirt­schaftli­ches Denken. Im Weite­ren dürf­ten auf der Hoch­schulstufe die Anreize nicht falsch in Rich­tung Quan­ti­tät gesetzt sein. „Die Qualität der Ab­solven­ten muss das Mass sein, nur so bleibt das schwei­zeri­sche Bildungs­sys­tem in­ternatio­nal kompetitiv“, sagt Genti­netta. Für economie­suisse ist Bildung ein Kern­the­ma und der Dachver­band der Wirt­schaft werde sich in Zukunft mit al­len drei Bildungs­stu­fen vertieft aus­ein­anderset­zen.

 

www.economiesuisse.ch

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