Lipitor verliert Patentschutz

Für Pfizer geht eine Blockbuster-Ära zu Ende

Ralf Mayer am 01.12.2011

Zeitenwende beim weltgrössten Pharmakonzern Pfizer: Am 30. November lief in den USA der Patentschutz für Pfizers wichtigsten Umsatzträger ab - den Cholesterinsenker Lipitor (Wirkstoff Atorvastatin, im deutschsprachigen Raum unter dem Namen "Sortis" bekannt). Nachahmermedikamente sind seit dem heutigen Donnerstag auf dem Markt und der zu erwartende Preisverfall dürfte nicht nur Pfizer, sondern auch der Konkurrenz zu schaffen machen.

Aber Pfizer gibt das Heft des Handelns nicht vollständig aus der Hand. Das erste Lipitor-Generikum - ab Donnerstag erhältlich - ist eine lizensierte Version des Blockbusters, die das Pharmaunternehmen selbst herstellt. Der Generikaproduzent Watson Pharmaceuticals vertreibt das Medikament in den USA, wofür Pfizer im Gegenzug eine nicht näher benannte Umsatzbeteiligung erhält.

Watson wird aber nicht lange der einzige Anbieter einer Nachahmer-Arznei bleiben. Auch Ranbaxy hatte 2008 eine entsprechende Vereinbarung mit Pfizer geschlossen. Bereits vor fast zehn Jahren hatte die Tochter des japanischen Pharmariesen Daiichi Sankyo als erster die Zulassung bei der US-Gesundheitsbehörde FDA beantragt. Allerdings hat das Unternehmen Produktionsprobleme und es ist somit nicht klar, wann das Unternehmen ein Produkt auf den Markt wirft.

Für eine halbes Jahr werden Ranbaxy und Watson vor der Konkurrenz weiterer Generika-Anbieter geschützt sein. Dafür verantwortlich ist ein US-Gesetz, wonach weitere Generika erst sechs Monate nach der ersten Markteinführung angeboten werden dürfen, was sich für die beiden Unternehmen auszahlen dürfte. Der Umsatz des Original-Medikaments wird nach Ansicht der Analysten der Citigroup in den nächsten Monaten dramatisch einbrechen. Sie gehen davon aus, dass Lipitor einen Marktanteil von noch 40% bis 50% wird halten können. Den restlichen Bedarf können Watson und Ranbaxy unter sich aufteilen.

Fest steht, dass die Preise dramatisch fallen werden. Schon seit Mittwoch bietet Pfizer drastische Rabatte in Höhe von 50% oder mehr für Lipitor an. , Das von Watson vermarktete Nachahmer-Medikament kostet ebenfalls ungefähr die Hälfte des Markenprodukts, das zuletzt abhängig von der Verkaufsregion für 3,50 USD bis 5 USD pro Tablette verkauft wurde. Watson hat bislang 1,5 Mio Flaschen ausgeliefert, die ab Donnerstag beim Kunden sind. Erhältlich ist das Medikament unter anderem in den 15.000 Apotheken der Ketten Walgreen und CVS Caremark.

Lipitor ist das wichtigste Medikament für den Pharmariesen Pfizer. In den USA hat das Unternehmen mit dem Blockbuster in den vergangenen zwölf Monaten per Ende September 7,8 Mrd USD umgesetzt, weltweit waren es im Kalenderjahr 2010 10,7 Mrd USD. Wie Pfizer die Umsatzeinbussen verkraften wird, ist unklar. Zuletzt ist der Konzern hauptsächlich durch Zukäufe gewachsen und weniger durch eigene Entwicklungen aufgefallen. Das bislang letzte selbstentwickelte Produkt ist das weltweit bekannte Viagra.

Aber nicht nur Pfizer dürfte wegbrechende Umsätze zu beklagen haben. Auch die Erlöse des Lipitor-Kokurrenzprodukts Crestor des britischen Pharmakonzerns AstraZeneca werden leiden. Das Analysehaus Cowen & Co schätzt die Umsatzeinbußen für Crestor auf 26% in den kommenden zwölf Monaten. 2010 hatten die Briten mit dem Präparat Erlöse in Höhe von 5,7 Mrd USD erzielt.

In der Schweiz läuft der Patentschutz für Lipitor/Sortis erst im Juni 2012 ab.

(Dow Jones, rma)

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