ABB erreicht Rekordwert
Starkes operatives Ergebnis, robustes Portfolio

Thomas Meier am 18. 2. 2010

ABB hat im Berichtsquartal trotz Restrukturierungskosten von rund USD 350 Mio. einen Ertrag vor Zinsen und Steuern (EBIT) von fast USD 800 Mio. erzielt. Im gesamten Geschäftsjahr 2009 lag die EBIT-Marge innerhalb des Zielkorridors von 11 bis 16 Prozent, was auf konsequente Kostensenkungen und eine effiziente Geschäftsabwicklung zurückzuführen ist.

Zusammen mit einem Rekordwert beim Cashflow aus Geschäftstätigkeit und dem zweistelligen Auftragsplus in den Schwellenländern „ist dieses Ergebnis ein klarer Beleg für die Belastbarkeit des Geschäftsportfolios sowie die gute regionale Aufstellung von ABB, und es macht deutlich, dass wir auch in einem schwierigen Umfeld operativ erfolgreich wirtschaften“, erklärt Joe Hogan, Vorsitzender der Konzernleitung von ABB.

Der Auftragseingang ging auf USD 7,5 Mrd. zurück, was einer Verringerung um 5 Prozent1 in Lokalwährungen entspricht. Hier stand dem anhaltenden Wachstum in den Bereichen Energieinfrastruktur und Industrieausrüstung in den Schwellenländern die rückläufige Nachfrage in den entwickelten Märkten entgegen. Der Auftragseingang stabilisierte sich gegenüber dem dritten Quartal 2009.
Der Umsatz lag bei USD 8,8 Mrd. und damit in Lokalwährungen 12 Prozent niedriger als im Vorjahresquartal. Dennoch wurde mit diesem Wert der bisher zweithöchste Quartalsumsatz erzielt. Die Kosteneinsparungen beliefen sich im Berichtsquartal auf über USD 500 Mio.
Der Konzerngewinn lag bei USD 540 Mio., und der Cashflow aus Geschäftstätigkeit erreichte die Rekordmarke von USD 1,8 Mrd. Ursache hierfür sind in erster Linie geringere Lagerbestände und ein verbessertes Management von Kundenzahlungen.

„Mit raschem und entschlossenem Handeln haben wir 2009 inmitten der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten ein Ergebnis erzielt, mit dem wir im Hinblick auf die Rentabilität weiter voll auf Zielkurs liegen“, sagt CEO Joe Hogan. „Wir sind heute in einer stärkeren Position als vor einem Jahr und sind gut präpariert für künftiges Wachstum, sobald sich die Konjunktur erholt.“
„Es stimmt uns zuversichtlich, dass sich der Auftragsrückgang im vierten Quartal im Jahresvergleich abgeschwächt hat und dass die Basisaufträge gegenüber dem Vorquartal leicht angestiegen sind“, so Hogan. „Wir werden unser Wachstum in den Schwellenländern weiter stark vorantreiben und die Chancen nutzen, die sich uns durch die Steigerung der industriellen Produktivität, die Senkung des Energieverbrauchs und die Bekämpfung des Klimawandels weltweit bieten. Gleichzeitig werden wir die Kosten weiter optimieren. Wir haben das Einsparungsziel daher auf USD 3 Mrd. erhöht, um sicherzustellen, dass wir unsere Rentabilitätsziele erfüllen.“

Zusammengefasstes Ergebnis des vierten Quartals 2009
Auftragseingang und Umsatz

Der Auftragseingang ging im vierten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal um 5 Prozent zurück (Anstieg um 4 Prozent in US-Dollar). Die anhaltend schwache Nachfrage in den meisten Industriemärkten wurde durch Investitionen in Energieübertragungssysteme und Ausrüstung nicht ganz ausgeglichen. Der Auftragseingang wurde durch einen Anstieg bei Grossaufträgen (über USD 15 Mio.) um 61 Prozent auf USD 1,4 Mrd. gestützt (Zuwachs von 79 Prozent in US-Dollar). Die Grossaufträge machten somit 19 Prozent des gesamten Auftragseingangs aus, gegenüber 11 Prozent in der Vorjahresperiode. Die Basisaufträge (unter USD 15 Mio.) gaben im Berichtsquartal 13 Prozent nach (Rückgang von 5 Prozent in US-Dollar), nachdem sie in den beiden vorherigen Quartalen jeweils um über 20 Prozent gesunken waren. Verglichen mit dem dritten Quartal 2009 erhöhten sich die Basisaufträge in Lokalwährungen um 2 Prozent, in US-Dollar um 5 Prozent.
Regional betrachtet stieg der Auftragseingang in Lokalwährungen gegenüber der Vorjahresperiode in Asien sowie dem Nahen Osten und Afrika an, da in den Schwellenländern weiter in den Ausbau von Stromnetzen investiert wird. Auch die Nachfrage nach Industrieprodukten zog in beiden Regionen an. In Europa und Amerika führte die anhaltend schwache Nachfrage in den meisten Absatzmärkten des Unternehmens zu rückläufigen Aufträgen im Energie- und Automationsgeschäft. Die Aufträge aus den Schwellenländern erreichten einen Anteil von 51 Prozent am gesamten Auftragseingang und legten im vierten Quartal 15 Prozent zu, während die Aufträge aus den entwickelten Märkten um fast 20 Prozent zurückgingen.

Der Umsatz verringerte sich, da rückläufige Umsätze in den eher kurz-zyklischen Geschäftsbereichen der Abwicklung von Projekten aus dem Auftragsbestand entgegenstanden, was die allgemein schwächere Wirtschaftslage in den letzten Quartalen widerspiegelt. Der Umsatz im Servicegeschäft lag 2 Prozent niedriger als im Vorjahresquartal (Zuwachs von 7 Prozent in US-Dollar).
Der Auftragsbestand belief sich Ende Dezember 2009 auf USD 24,8 Mrd. Damit ergab sich ein Rückgang um 1 Prozent gegenüber Ende 2008 (Zuwachs von 4 Prozent in US-Dollar) und von 5 Prozent in Lokalwährungen und US-Dollar gegenüber dem Vorquartal.

Ertrag vor Zinsen und Steuern
EBIT und EBIT-Marge legten verglichen mit dem vierten Quartal 2008 zu. Der EBIT enthielt in der Berichtsperiode Restrukturierungskosten in Höhe von rund USD 350 Mio. im Zusammenhang mit dem vor einem Jahr angekündigten zweijährigen 2-Mrd.-USD-Kostensenkungsprogramm (der Aufwand für das Gesamtjahr 2009 belief sich auf rund USD 520 Mio.). Der EBIT des vierten Quartals 2008 beinhaltete zudem Aufwand in Höhe von rund USD 870 Mio. für Compliance-Untersuchungen, eine Mehrwertsteuerbelastung und Restrukturierungskosten.
Bereinigt um die Restrukturierungskosten und Marktpreisanpassung von Hedging-Transaktionen lag die EBIT-Marge im Berichtsquartal bei 13,2 Prozent und damit 1,5 Prozentpunkte niedriger als im Vorjahresquartal, ebenfalls bereinigt um Restrukturierungskosten, die Marktpreisanpassung von Hedging-Transaktionen und andere bereits angesprochene Rückstellungsanpassungen.
Diese Verringerung spiegelt hauptsächlich Preisrückgänge und die geringere Kapazitätsauslastung wider.
EBIT und EBIT-Marge profitierten von den Kosteneinsparungen, die sich im Berichtsquartal auf über USD 500 Mio. beliefen. Im Geschäftsjahr 2009 hat das Kostensenkungsprogramm Einsparungen von über USD 1,5 Mrd. generiert.

Konzerngewinn
Der Konzerngewinn erreichte im vierten Quartal USD 540 Mio. Im Gesamtjahr 2009 belief sich die Steuerquote auf 24 Prozent. Hier machte sich insbesondere der günstige Steuereffekt aus den im dritten Quartal 2009 bekannt gegebenen Rückstellungsanpassungen bemerkbar.

Bilanz und Cashflow
Die Nettobarmittel beliefen sich zum Ende des Quartals auf USD 7,2 Mrd., gegenüber USD 5,8 Mrd. zum Ende des Vorquartals. Der Cashflow aus Geschäftstätigkeit erreichte den Rekordwert von USD 1,8 Mrd. und erhöhte sich verglichen mit dem vierten Quartal 2008 um rund USD 400 Mio. Dieser Zuwachs resultiert in erster Linie aus dem optimierten Netto-Umlaufvermögen, hier insbesondere aufgrund eines verbesserten Zahlungseingangs und geringeren Lagerbeständen.

Dividendenerhöhung
Der ABB-Verwaltungsrat schlägt für 2009 eine Dividende von 0,51 CHF je Aktie vor, womit die Dividende gegenüber 2008 um 0,03 CHF je Aktie oder 6 Prozent erhöht würde. Weiterhin schlägt der Verwaltungsrat vor, die Dividende in Form einer Reduktion des Nennwerts der Aktien von CHF 1,54 auf CHF 1,03 auszuzahlen. Dieser Vorschlag unterliegt der Zustimmung durch die Aktionäre an der ABB-Generalversammlung am 26. April 2010. Falls die Dividende genehmigt wird, erfolgt die Ausschüttung in der Schweiz voraussichtlich im Juli 2010.
ABB bemüht sich zurzeit nicht aktiv um den Kauf von Aktien im Rahmen des 2008 angekündigten Aktienrückkaufprogramms in Höhe von CHF 2,2 Mrd. Für das Programm, das seit September 2008 ruht, wurden bisher rund CHF 650 Mio. ausgegeben. An der Generalversammlung 2010 wird ABB die Annullierung der zurückgekauften Aktien vorschlagen.

Kostensenkungen
ABB hat das Kostensenkungsprogramm im Berichtsquartal weiter fortgesetzt. Ausserdem hat das Unternehmen beschlossen, das Einsparungsziel anzuheben. So soll sichergestellt werden, dass die EBIT-Marge im Zielkorridor von 11 bis 16 Prozent gehalten werden kann. Das Programm zielt nun darauf ab, die Unternehmenskosten gegenüber dem Niveau von 2008 bis Ende 2010 um USD 3 Mrd. zu senken. Bisher lag das angekündigte Einsparungsziel bei USD 2 Mrd. Erreicht werden sollen die Einsparungen vor allem durch einen kostenbewussteren Einkauf, die Senkung von Verwaltungskosten, interne Prozessoptimierungen und die Anpassung der weltweiten Fertigungs- und Engineeringbasis von ABB.

Im Geschäftsjahr 2009 lagen die Einsparungen deutlich über Planziel und beliefen sich auf über USD 1,5 Mrd. Rund 50 Prozent dieser Einsparungen wurden durch Optimierungen beim weltweiten Einkauf erzielt (bereinigt um Änderungen von Rohstoffpreisen). Die restlichen Kostensenkungen stammen aus der Reduzierung der Verwaltungskosten, Anpassung der regionalen Ressourcen und Massnahmen zur Verbesserung der Operational Excellence.

Einhaltung von Gesetzen und Vorschriften (Compliance)
Wie bereits früher bekannt gegeben, hat ABB dem U.S. Department of Justice und der US-amerikanischen Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) verschiedene verdächtige Zahlungen gemeldet.
Wie ebenfalls bereits bekannt gegeben, kooperiert ABB bei Untersuchungen im Blick auf mutmasslich wettbewerbswidrige Praktiken im Leistungstransformatorengeschäft, Kabelgeschäft und FACTS-Geschäft (flexible Wechselstrom-Übertragungssysteme) mit verschiedenen Kartellbehörden, darunter auch die EU-Kommission. Im Oktober 2009 gab die EU-Kommission im Zusammenhang mit den wettbewerbswidrigen Praktiken im Leistungstransformatorengeschäft eine Entscheidung bekannt und verhängte eine Geldbusse in Höhe von rund EUR 34 Mio. gegen ABB.
Im Hinblick auf diese Verfahren ist es möglich, dass bei einem ungünstigen Ausgang die bisherigen Rückstellungen nicht ausreichen.

Management und organisatorische Änderungen
Im vierten Quartal 2009 gab ABB eine Reorganisation der Automationsdivisionen bekannt, um diese stärker auf die Kunden auszurichten. Mit Wirkung zum 1. Januar 2010 wurden die Geschäftseinheiten der Divisionen Automationsprodukte und Robotik zu zwei neuen Divisionen zusammengefasst – Industrieautomation und Antriebe sowie die Niederspannungsprodukte. Die Division Prozessautomation bleibt unverändert bestehen und wurde lediglich um das Instrumentierungsgeschäft der Division Automationsprodukte erweitert (vorläufige Zahlen für Auftragseingang, Umsatz und EBIT der neuen Automationsdivisionen für die Geschäftsjahre 2007, 2008 und 2009 werden in Anhang I zu dieser Pressemitteilung genannt).
Im Rahmen der Neuorganisation wurde Tom Sjökvist, der bisherige Leiter der Division Automationsprodukte, mit der Leitung der neuen Division Niederspannungsprodukte betraut. Ulrich Spiesshofer, zuvor in der Konzernleitung für die Konzernentwicklung verantwortlich, wurde zum Leiter der Division Industrieautomation und Antriebe ernannt. Anders Jonsson, bisher Leiter der Division Robotik, bleibt Mitglied der Konzernleitung und trägt nun die Verantwortung für die Umsetzung des Kostensenkungsprogramms und für die Global-Footprint-Initiative von ABB. Veli-Matti Reinikkala bleibt Leiter der Division Prozessautomation.

Ausblick
Der Auftragseingang von ABB hat sich im Berichtsquartal gegenüber dem dritten Quartal 2009 stabilisiert. ABB geht davon aus, dass bei den kurz-zyklischen Geschäftsfeldern die Talsohle erreicht wurde. Mit Blick auf den eher langfristigen Charakter des ABB-Portfolios bleibt der Ausblick für die Märkte von ABB für 2010 jedoch weiterhin unsicher, ebenso wie der Ausblick auf die allgemeine Wirtschaftsentwicklung.
Insbesondere die Notwendigkeit des Aufbaus und der Modernisierung von Energieinfrastruktur, der Klimaschutz und die zunehmende Bedeutung der Schwellenmärkte eröffnen dem Unternehmen weiterhin attraktive Wachstumschancen.

Die Nachfrage nach einer effizienteren und zuverlässigen Stromübertragung und -verteilung und die Notwendigkeit, erneuerbare Energien in bestehende Stromnetze zu integrieren, halten in allen Regionen an. Mit steigenden Energie- und Rohstoffpreisen und dem zunehmenden globalen Wettbewerb, benötigen Industriekunden Automationslösungen, um die Kosten zu senken, die Qualität zu verbessern und die Produktivität bestehender Anlagen zu erhöhen.
Die weltweite Wirtschaftskrise hat in einigen Kundensegmenten Überkapazitäten entstehen lassen und in anderen Segmenten das verfügbare Investitionskapital verringert. Es ist gegenwärtig noch nicht abzusehen, wann die Kundeninvestitionen in diesen Bereichen wieder zunehmen werden.
Aufgrund dieser Faktoren bleibt ABB mit seinem Ausblick für das Jahr 2010 vorsichtig, bis sich klarer abzeichnet, wie sich die weltweite Wirtschaft entwickeln wird.
Daher hat es für ABB im Jahr 2010 Priorität, einerseits die Kosten anzupassen und andererseits die regionalen Ressourcen, die starke Bilanz und die verfügbaren Spitzentechnologien für profitables Wachstum zu nutzen.

Aktualisierung der Ziele für 2007 bis 2011
ABB ist nach wie vor zuversichtlich, dass sich die EBIT-Marge auch im Gesamtjahr 2010 innerhalb des Zielkorridors von 11 bis 16 Prozent des Umsatzes bewegen wird. ABB bestätigt zudem seine Zielvorgaben für die EBIT-Margen der Divisionen (nach der im November 2009 angekündigten Neuorganisation der Automationsdivisionen wurden die ursprünglichen Divisionsziele neu berechnet und werden in Anhang I vorgestellt).
Darüber hinaus bestätigt ABB das Ziel für den freien Cashflow in Prozent des Konzerngewinns für den Zeitraum 2007 bis 2011 von durchschnittlich 100 Prozent.
Ob die Ziele für den Umsatz, das Wachstum des Gewinns je Aktie und die Rendite des eingesetzten Kapitals erreichen kann, hängt von der Dynamik der wirtschaftlichen Erholung in den Jahren 2010 und 2011 ab.

www.abb.ch

Drucken Drucken

Kommentare

Ein Kommentar zu “ABB erreicht Rekordwert
Starkes operatives Ergebnis, robustes Portfolio
boris 18.2.2010 10:15 Uhr

Danke für die ausführliche Übersicht. Der Artikel ist wirklich schön geschrieben.

Kommentar schreiben