Wirtschaftskrise belastet Rexroth schwer
Umsatz bricht um 16 % ein – Erholung spürbar
Patrick Müller am 9. 2. 2010
Die globale Wirtschaftskrise hat auch die Entwicklung der Bosch-Gruppe schwer belastet. Im Geschäftsjahr 2009 erzielte das Unternehmen nach vorläufigen Zahlen einen Umsatz von rund 38 Milliarden Euro, der damit rund 16 Prozent unter dem Vorjahr lag. Das Unternehmen wird das vergangene Geschäftsjahr mit einem Verlust zwischen drei und vier Prozent des Umsatzes abschliessen. Ohne Restrukturierungen und Sonderabschreibungen sei das operative Ergebnis seit Herbst 2009 ausgeglichen gewesen, so Franz Fehrenbach, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH. Genaue Werte liegen aufgrund der laufenden Jahresabschlussarbeiten noch nicht vor. Auch 2010 werde ein schwieriges Jahr, es sei jedoch eine Erholung spürbar. Fehrenbach sieht durchaus Chancen, dass in diesem Jahr mehr als die Hälfte des Umsatzverlustes aus 2009 kompensiert werden kann. Für Prognosen zur Ertragsentwicklung sei es allerdings noch zu früh. «Wir kämpfen 2010 um eine schwarze Null», betonte Fehrenbach.
Erholung spürbar. Der Nachfrageeinbruch, der 2009 die meisten wichtigen Fahrzeugmärkte belastete, spiegelt sich in der Entwicklung des Unternehmensbereichs Kraftfahrzeugtechnik wider. Der Umsatz lag mit 21,7 Milliarden Euro um 18 Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Allerdings ist seit Jahresmitte 2009 eine Erholung feststellbar. Dieser Trend wird sich voraussichtlich 2010 fortsetzen. Neben dem Wachstum in den asiatischen Schwellenländern China und Indien wird vor allem die Fahrzeugproduktion in Nordamerika wieder deutlich an Dynamik gewinnen. Auch für Europa wird eine Erholung erwartet. In Deutschland dürfte die Produktion für Autos und Nutzfahrzeuge trotz der auslaufenden Abwrackprämie leicht zulegen.
In zwei Jahren 30 Prozent wachsen. Den weltweiten Trend will Bosch nutzen und den Umsatz in der Kraftfahrzeugtechnik 2010 um mindestens zehn Prozent steigern. Der Unternehmensbereich muss allerdings insgesamt gut 30 Prozent wachsen, um wieder auf das Niveau von 2007 zurückzukehren. Dieses Ziel soll bis 2012 erreicht sein. Den Unternehmensbereich Industrietechnik belastet vor allem die anhaltend schwierige Lage im Maschinenbau. Der Umsatz ging um 24 Prozent auf rund 5,1 Milliarden Euro zurück. Insgesamt wird für 2010 in der Industrietechnik mit einer langsamen Erholung des Geschäfts gerechnet. Wachstumschancen sieht Bosch auch für den Unternehmensbereich Gebrauchsgüter und Gebäudetechnik, der nicht ganz so heftig von der Wirtschaftskrise erfasst worden ist. Im Geschäftsjahr 2009 lag der Umsatz bei 11,3 Milliarden Euro und damit fünf Prozent unter Vorjahr.
Spagat zwischen Sparen und Zukunftssicherung. Die Bosch-Gruppe reagierte auf den Umsatzeinbruch mit konsequenten Sparmassnahmen auf allen Ebenen, um den Verlust zu begrenzen und die finanzielle Stabilität vor dem Hintergrund des unsicheren Finanzmarktes zu sichern. Dadurch konnte zum Jahresende ein positiver Free Cash Flow erzielt werden: Die Investitionen von 1,9 Milliarden Euro konnten aus dem laufenden Geschäft erwirtschaftet werden. Auch die Nettofinanzposition blieb im Vergleich zum Vorjahr nahezu unverändert. Trotz aller Sparmassnahmen hielt Bosch an wichtigen Zukunftsprojekten fest. Die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung blieben mit 3,8 Milliarden Euro fast auf dem Niveau des Vorjahres. Wichtige Vorleistungen unter anderem zur Verbesserung der Energieeffizienz der Verbrennungsmotoren oder der Entwicklung elektrischer Antriebe wurden dabei erhöht. Auch der Ausbau der Photovoltaik-Aktivitäten und der Präsenz auf wichtigen Wachstumsmärkten wie China und Indien wurde fortgesetzt. In Asien-Pazifik ging im Gesamtjahr der Umsatz in lokalen Währungen um rund sieben Prozent zurück, lag aber im vierten Quartal bereits um 18 Prozent über Vorjahr. Aber auch in den anderen Regionen der Welt hat sich die Lage seit dem vergangenen Sommer entspannt. Allerdings hat das erste Halbjahr die Gesamtentwicklung derart belastet, dass Bosch in Europa (minus 19 Prozent) sowie Nordamerika und Lateinamerika (jeweils minus 14 Prozent) mit deutlichen Umsatzrückgängen das Gesamtjahr abgeschlossen hat.
Umfangreiche Massnahmen zur Beschäftigungssicherung. Den ganz überwiegenden Teil der Unterauslastung durch den Umsatzeinbruch fing Bosch über Arbeitszeitverkürzungen ab. Derzeit sind weltweit 80 000 Mitarbeiter von Arbeitszeitverkürzungen betroffen. Ein wichtiges Prinzip sei es für Bosch, die Kernmannschaft so weit wie möglich zusammenzuhalten, ohne allerdings notwendigen strukturellen Anpassungen auszuweichen, erklärte Fehrenbach. So trennte sich Bosch im vergangenen Jahr von wesentlichen Aktivitäten im Autoradiogeschäft sowie von den nordamerikanischen Bremsenaktivitäten. Die Zahl der Mitarbeiter ging 2009 um rund 11 000 oder vier Prozent auf 271 000 zurück.
Hohe Loyalität der Mitarbeiter. Die Bosch-Mitarbeiter leisteten zur Krisenbewältigung mit finanziellen Ein¬bussen und oft hohen zusätzlichen Belastungen einen wichtigen Beitrag. Fehrenbach: «Dafür möchte ich unseren Mitarbeitern ausdrücklich noch einmal danken!» Diese hohe Loyalität sei für ein Unternehmen nicht selbst¬verständlich und Ausdruck der Bosch-Unternehmenskultur. Diese enge Verbundenheit zeige auch die aktuelle Mitarbeiterbefragung, an der sich mehr als 80 Prozent der Mitarbeiter beteiligten. Ebenfalls über 80 Prozent gaben dabei an, «stolz zu sein, für die Bosch-Gruppe zu arbeiten». Dies ent¬spricht dem Wert vor der Krise.
Verhalten optimistischer Ausblick. Für die Entwicklung der Weltwirtschaft ist die Bosch-Gruppe «verhalten optimistisch». Ohne dass die laufende Expansion noch deutlich zulegen muss, erwartet Fehrenbach für 2010 ein Wachstum der Weltwirtschaft von gut drei Prozent. Damit werde auf globaler Ebene der Rückgang von 2009 von rund zwei Prozent mehr als ausgeglichen. Für Deutschland geht Bosch von einem Wachstum von gut zwei Prozent aus, gegenüber einem Rückgang von fünf Prozent im Vorjahr. Der grösste Schwung werde von den Schwellenländern mit rund sechs Prozent ausgehen, doch auch in Nordamerika rechnet Bosch mit einer Erholung der Wirtschaft und einem Wachstum um rund 2,5 Prozent.











