Rekordgewinne bei Microsoft und Apple
Thomas Meier am 29. 1. 2010Microsoft legt dank Windows 7 Rekord-Quartalszahlen vor, hat aber ein Problem: Bei Internetsoftware, Smartphones und allen Mobilgeräten, die mobiles internet und Webanwendungen dem Normalanwender nahe bringen, sind Firmen wie Google oder Apple führend. Auch wenn Microsoft mit seiner neuen Suchmaschine Bing punkten konnte, hat Google im Internet doch die Nase vorn und mit Windows Mobile kann Microsoft derzeit gegen Apple und Google keinen Stich machen.
Das droht mittlerweile selbst dem angestammten Geschäft mit PC-Betriebssystemen und Office-Software gefährlich zu werden. Zwar konnte Microsoft mit Windows 7 einen Erfolg bei den Betriebssystem landen – aber auch wenn Apples iPad noch nicht der grosse Wurf sein mag, der die IT- und Medienwelt endgültig umwälzt, so ist doch absehbar, dass der klassische PC für alltägliche Aufgaben nicht mehr die Hardware der Wahl ist. Und moderne Mobilgeräte sowie leistungsfähige Internetanbindungen können über Webanwendungen gar die lokale Produktivitätssoftware vom Schlage eines Word, Excel oder Powerpoint für viele Anwender überflüssig machen.
Microsoft betont immer wieder, dass die Gefahr für das eigene Geschäft und die Lücken im eigenen Portfolio erkannt ist. Bislang waren aber die Aufholversuche nicht gerade geglückt. Die Umstrukturierung der Sparte “Entertainment and Devices” oder mögliche neue Pläne für Windows Mobile sind deutliche Zeichen. Derzeit aber sprechen zumindest die Geschäftszahlen noch deutlich für Microsoft: Im zweiten Quartal seines Geschäftsjahrs steigerte Microsoft seinen Nettogewinn im Jahresvergleich um 60 Prozent auf 6,662 Milliarden US-Dollar (74 US-Cent pro Aktie). Der operative Gewinn lag bei 8,513 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 43 Prozent. Der Umsatz stieg um 14 Prozent auf 19,022 Milliarden US-Dollar.
Vorabverkauf war rentabel
In den Zahlen sind insgesamt 1,71 Milliarden US-Dollar an sogenanntem Deferred Revenue enthalten; diese Umsätze resultieren aus dem Windows-7-Upgrade-Programm, mit dem Kunden beim Kauf eines PC bereits eine Option auf Windows 7 vor seiner allgemeinen Verfügbarkeit erwerben konnten, sowie aus Vorabverkäufen an PC-Hersteller. Ohne diese Einkünfte lag der Quartalsumsatz von Microsoft noch mit 4 Prozent im Plus bei 17,31 Milliarden US-Dollar, im zweiten Quartal des Vorjahrs lag er bei 16,367 Milliarden US-Dollar.
Die aussergewöhnliche Nachfrage nach Windows 7 habe zu dem Umsatzwachstum geführt, kommentierte Microsofts neuer Finanzchef Peter Klein. Und das weiter vorangetriebene Kostenmanagement habe dem Konzern ermöglicht, die Gewinne noch stärker als die Umsätze zu steigern. Im zweiten Quartal hat Microsoft nach eigenen Angaben über 60 Millionen Kopien von Windows 7 verkauft, damit sei es das bislang am schnellsten verkaufte Betriebssystem. Entsprechend konnte die Sparte “Windows & Windows Live” auch den Umsatz im Jahresvergleich von 4,064 auf 6,904 Milliarden US-Dollar steigern. Der operative Gewinn der Sparte kletterte von 2,712 auf 5.394 Milliarden US-Dollar.
In anderen Bereichen sieht es nicht ganz so gut aus: Der Bereich “Server and Tools” konnte immerhin den Umsatz von 3,755 auf 3,844 Milliarden US-Dollar steigern, der operative Gewinn lag bei 1,491 Milliarden US-Dollar nach 1,375 Milliarden US-Dollar im gleichen Quartal des Vorjahrs. In der “Business Division” (zu der die Office-Pakete und Unternehmenssoftware gehören) fiel dagegen der Umsatz von 4,881 auf 4,745 Milliarden US-Dollar, der operative Gewinn stagnierte bei 3,010 Milliarden US-Dollar (Vorjahresquartal: 3,021 Milliarden US-Dollar). Die Sparte für Online-Services, die Microsoft selbst als strategisch bedeutsam für die Zukunft des Unternehmens hält, mit der es aber bislang wenig Glück hat, verbuchte einen Umsatzrückgang von 609 auf 581 Millionen US-Dollar und weitete den Verlust von 320 auf 466 Millionen US-Dollar aus. Bei “Entertainment and Devices” sackte der Umsatz gar von 3,256 auf 2,902 Milliarden US-Dollar ab, immerhin stieg hier der operative Gewinn von 130 auf 375 Millionen US-Dollar.
Das Rekordquartal für Microsoft geht also vor allem auf Windows 7 zurück, dessen Einführung eine Art Sonderkonjunktur für den Konzern auslöste und durch den Deferred Revenue aus dem Vorquartal den Bilanzen zusätzlich auf die Sprünge half. Microsoft hegt nun die Hoffnung, dass Windows 7 auch in der Lage ist, die IT-Ausgaben der Unternehmen wieder anzuheizen. Die Börsianer scheinen sich nicht klar darüber zu sein, ob sie Microsoft darin folgen sollen oder ob die Schwächen in anderen Bereichen die Stärke mit Windows 7 überwiegen: Zu Beginn des nachbörslichen Handels in New York, nach Vorlage der Microsoft-Zahlen am Donnerstagabend, ging der Kurs der Microsoft-Aktie zurück, um dann erst einmal wieder anzuziehen.
Apple legt die bislang besten Zahlen vor
So mancher aus der Apple-Fangemeinde mag sich verwundert die Augen reiben: Erneut, nachdem man sich im vierten Quartal 2009 schon stolz wegen bis dato nicht erreichter Gewinne auf die Brust geschlagen hat, legt der Konzern nun Bilanzen vor, die das bislang profitabelste Quartal der Unternehmensgeschichte ausweisen. In absoluten Zahlen: Der Umsatz lag bei 15,683 Milliarden US-Dollar nach 11,88 Milliarden US-Dollar im gleichen Quartal des Vorjahrs. Der Nettogewinn stieg von 2,255 auf 3,378 Milliarden US-Dollar. Diese Zahlen unterscheiden sich für die Vorquartale von den bisher vorgelegten Bilanzen, da es eine Aktualisierung der offiziellen Buchhaltungsstandards in den USA gab – sie sollen zu einer genaueren Verbuchung besonders etwa von iPhone-Verkaufszahlen führen. Apple übernahm diese Standards im Herbst, was zu leicht höheren Umsatz- und Gewinnzahlen führt, die nun auch für die vergangenen Quartale ausgewiesen werden. Die Einnahmen mit dem iPhone und Apple TV werden nunmehr vollständig für den Zeitpunkt des Verkaufs verbucht, während sie zuvor über die Lebenszeit der Geräte hinweg auf die Quartalsbilanzen verteilt wurden.
Erfolgsmodell iPhone
Bei den iPhone-Stückzahlen legte Apple um geschlagene 100 Prozent zu. Im 3. Quartal des vergangenen Jahres hatte Apple das iPhone 3GS eingeführt – was den Verkäufen offensichtlich weiter zu gute kam. 8,7 Millionen iPhones verkaufte Apple im seinem ersten Geschäftsquartal 2010, nach 4,25 Millionen im ersten Quartal 2009 und 7,37 Millionen im vorangegangenen vierten Quartal 2009. Bei den Verkäufen des mobilen Musikplayers iPod musste Apple erneut Rückgänge hinnehmen, die Stückzahlen an verkauften iPods gingen um 8 Prozent im Jahresvergleich auf 21 Millionen zurück. Mac-Rechner konnte Apple 3,36 Millionen absetzen, eine Steigerung gegenüber dem gleichen Vorjahresquartal um 33 Prozent.
Mit Desktop-Rechnern machte Apple einen Umsatz von 1,692 Milliarden US-Dollar, eine Steigerung um Jahresvergleich von 62 Prozent; hier machte sich wohl vor allem die Vorstellung neuer iMacs bemerkbar. Bei den Notebooks stieg der Umsatz immer noch um 9 Prozent auf 2,758 Milliarden US-Dollar. Mit dem iPhone und zugehörigen Diensten sowie den Carrier-Vereinbarungen erzielte Apple einen Umsatz von 5,578 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 90 Prozent. Der iPod sorgte noch für einen Umsatz von 3,391 Milliarden US-Dollar, immer noch eine leichte Steigerung im Jahresvergleich von 1 Prozent. Was Apple als “Other Music Related Products and Services” bezeichnet (wozu vor allem der iTunes Store und iPod-Dienstleistungen gehören), brachte Apple einen Umsatz von 1,164 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 15 Prozent.
Kurz vor der Produktvorstellung des iPad schürte Steve Jobs die Neugier in einem Kommentar zu den vorgelegten Geschäftszahlen weiter an: “Die neuen Produkte, die wir in diesem Jahr vorstellen wollen, sind sehr überzeugend, und das geht diese Woche los mit einem bedeutenden neuen Produkt, über das wir alle sehr begeistert sind.”











